Eine Begegnung mit einem Hund, der Vertrauen nicht verschenkt – und einem Shooting, bei dem er das Tempo bestimmen durfte.
Als ich wusste, dass Tierschutzhund Yakari vor meine Kamera kommen würde, war ich ehrlich gesagt ein bisschen nervös.
Nicht wegen der Bilder. Sondern wegen der Frage, ob er mich überhaupt in seiner Nähe zulassen würde, ohne sich aufzuregen oder sich zurückzuziehen.
Yakari ist kein einfacher Hund. Und es wäre ihm gegenüber nicht fair, etwas anderes zu behaupten.
Also habe ich zu Beginn etwas getan, das bei einem Fotoshooting vielleicht ungewöhnlich klingt:
Ich habe ihn erst einmal ignoriert.
Die Tante mit den schwarzen Rohren um den Hals war offenbar gar nicht so schlimm.
Und vor allem wollte sie nichts von ihm.
Wir gingen erst einmal gemeinsam zur Location. Kein Fotografieren, kein Posieren, keine Erwartungen. Yakari konnte mich beobachten und in seinem Tempo feststellen, dass von mir keine Gefahr ausging.
Und ich konnte ihn beobachten.
Selin, seine Pflegestelle, und Patrick, sein Hundetrainer, haben mit Yakari bereits grandiose Arbeit geleistet. Das wurde ziemlich schnell deutlich.
Als wir am Wasserfall ankamen, hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass Yakari sich fragte, ob ich ein Problem für ihn sein könnte. Stattdessen zeigte sich etwas ganz anderes:
Yakari wollte gefallen. Er wollte alles richtig machen.
Und trotzdem wanderte sein Blick immer wieder zu Selin.
Sie war sein sicherer Hafen. Und genau das durfte sie auch sein.
Vertrauen lässt sich nicht einfordern.
Man kann ihm nur die Zeit geben, zu entstehen.
Wir hatten uns vorher bewusst dafür entschieden, Bilder mit und ohne Maulkorb zu machen.
Denn natürlich hätten wir für schöne Vermittlungsbilder einfach nur die andere Seite zeigen können.
Aber das wäre nicht Yakari gewesen.
Sein Maulkorb gehört momentan zu seinem Alltag. Also gehört er auch zu seiner Geschichte.
Nicht als Makel.
Sondern als Teil seiner Realität.
Deshalb entstanden die ersten Bilder ganz selbstverständlich mit Maulkorb.
Und irgendwann war der Moment gekommen, ihn abzunehmen.
Ganz unspektakulär.
Yakari kannte mich inzwischen. Er kannte die Umgebung. Er wusste, dass von mir nichts kam, womit er nicht umgehen konnte.
Und es war überhaupt kein Problem.
Er braucht klare, verlässliche Menschen. Menschen mit Hundeerfahrung, Geduld und der Bereitschaft, mit ihm weiterzuarbeiten. Menschen, die seine Grenzen ernst nehmen und verstehen, warum sein Maulkorb momentan zu seinem Leben gehört.
Aber Yakari ist eben auch so viel mehr als das.
Er ist neugierig. Aufmerksam. Aktiv.
Er lernt gerne, liebt Bewegung und kann ein ziemlicher Clown sein. Er sucht Nähe, wenn er Vertrauen gefasst hat.
Und hinter diesen unglaublichen hellblauen Augen steckt ein Hund, der bereits enorme Fortschritte gemacht hat.
Beim Shooting durfte ich einen kleinen Teil davon erleben.
Aber Yakari ist eben auch so viel mehr als das.
Und genau das durfte ich an diesem Morgen sehen.
Der richtige Mensch wird mit Yakari sicherlich noch ein gutes Stück Arbeit vor sich haben.
Aber ich bin guter Dinge.
Denn wenn die Chemie zwischen beiden stimmt, wenn Vertrauen wachsen darf und Yakari einen Menschen an seiner Seite hat, auf den er sich wirklich verlassen kann, dann kann daraus ein großartiges Team werden.
Vielleicht kommt irgendwann sogar der Tag, an dem der Maulkorb immer seltener gebraucht wird.
Nicht, weil irgendjemand beschlossen hat, dass Yakari jetzt „funktionieren“ muss.
Sondern weil Vertrauen gewachsen ist.
Weil er gelernt hat, dass sein Mensch Situationen für ihn regelt.
Und dass er nicht mehr alles selbst entscheiden muss.
Dafür sorgen, dass genau der richtige Mensch bei Yakari hängen bleibt.
Nicht jemand, der ihn retten möchte.
Sondern jemand, der ihn sieht.
So wie er ist.
Mit seiner Geschichte.
Mit seinen Baustellen.
Mit seinem Charakter.
Und mit allem, was noch vor ihm liegen könnte.
Yakari wird über Ein Herz für Pfoten vermittelt und lebt derzeit bei seiner Pflegestelle Selin.
Seine ausführliche Einschätzung und – ganz wichtig – alles, was Interessenten über ihn wissen sollten, findet ihr bei Ein Herz für Pfoten und bei Hundsdog Hundetraining.
Und wenn ihr nicht Yakaris Mensch seid, könnt ihr ihm trotzdem helfen:
Teilt seine Geschichte.
Vielleicht erreicht eines dieser Bilder genau den Menschen, auf den er wartet.
Denn manchmal braucht es für ein Für-immer-Zuhause nur den einen richtigen Blick. 🐾
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